Mobile Menu

Historie – Die Schwaigerner Apotheker

LIEBE FREUNDE DER SCHLOSS-APOTHEKE,
am 1. April 1937 hat Hellmuth Hauser die Schloss-Apotheke in Schwaigern übernommen. Es sind also inzwischen 77 Jahre vergangen, seit die Familie Hauser als Apotheker- Familie in Schwaigern tätig ist. Am 1. Juli 2012 sind wir nach langer Umbauzeit wieder an den alten Standort zurückkehren. Aus diesem Grung wollen wir einiges über die Schloss Apotheke schreiben.

Schwaigern war bis 1806 der Hauptort der Grafschaft derer von Neipperg. Die Neippergs waren reichsunmittelbar und Schwaigern mit Neipperg, Massenbachhausen, Klingenberg und Adelshofen war ein Staat für sich. Aus diesem Grunde wollte der Graf in seiner „Metropole” auch eine Apotheke haben und so gründete er ein Realrecht für eine Apotheke. Der Apotheker Johann Gottfried Cuno kam aus Bretten und eröffnete die erste Apotheke in Schwaigern vermutlich 1715. Der Standort ist nicht genau bekannt, muß aber in der Wassergasse/ Gemmingerstrasse gegenüber des jetzigen Gasthaus Löwen in der sogenannten „Fabrik“ gewesen sein. Er starb 1741 und vererbte sie an seinen Sohn. Dieser jedoch verkaufte sie sehr bald wieder und es gab nun in der Folgezeit häufige Besitzerwechsel.
Der erste überlieferte Kaufpreis betrug im Jahr 1797 rund 7.250,– Gulden. Das war damals sehr viel Geld. 1803 kaufte Karl Albrecht Herwig die Apotheke. 1811 gab es einen Großbrand und der westliche Teil des Marktplatzes brannte bis über die Wassergasse hinaus ab. Auch die Apotheke fiel den Flammen zum Opfer und Herwig wurde im Schloss aufgenommen und konnte seine Apotheke dort betreiben. Er baute sie nicht mehr am alten Standort auf, sondern bekam einen Platz am Marktplatz zur Verfügung gestellt, dort, wo noch heute die Apotheke steht.
Die Apotheke wechselte auch dann wieder öfters den Besitzer. Der letzte Verkauf 1907 an Eugen Sommer, dessen Kaufunterlagen uns vorliegen, erzielte einen Preis von 95.000,– M. 1 M (Goldmark) entspricht etwa 10–15 Euro. Eugen Sommer erreichte einen Jahresumsatz mit der Apotheke von 13.000,– M. Der Kaufpreis lag beim 7-fachen des Jahresumsatzes!

Es gab zu der damaligen Zeit zwei Apothekenrechte:

1. Konzessionen:
Diese wurden vom Staat ausgeschrieben und an Apotheker vergeben. So konnten sie die Apotheke bis zu ihrem Lebensende betreiben und ihre Witwe durfte die Apotheke dann noch verpachten.

2. Realrechte:
Diese Apotheken waren verkäuflich und vererbbar. Das Apothekenrecht ruhte auf dem Haus – das bedeutete aber auch, dass nur ein Apotheker mit gültiger Approbation dieses Apothekenhaus kaufen konnte.

Hellmuth Hauser war vermutlich der letzte Apotheker in Baden-Württemberg, der keine persönliche Betriebserlaubnis benötigte, da er bereits beim Kauf des Hauses seine Approbation vorlegen musste. Mit der allgemeinen Niederlassungsfreiheit 1953 wurden die besonderen Rechte aufgehoben (die Realrechtsbesitzer also praktisch enteignet). Der Kaufpreis der Apotheke in Schwaigern war nach heutiger Einschätzung immer zu hoch – dies ist bestimmt auch der Grund für den häufigen Wechsel.

Apotheker Sommer war fachlich herausragend und aufgeschlossen. So hatte er bereits eine elektrische Pulvermischtrommel für Pulvermischungen zur Behandlung von Tieren. Die Zubereitung von Tierarzneimitteln spielte eine große Rolle. Schwaigern war landwirtschaftlich geprägt und jeder Landwirt hatte 5–10 Kühe, Schweine, diverse Hühner, oft auch zwei Pferde. Ein Tierarzt war auch immer hier niedergelassen. Ich schätze, dass der Anteil Humanarzneimittel zu Tierarzneimittel bestimmt 50:50 betrug.
Herr Sommer hat auch einen Destillierapparat angeschafft, auf den er besonders stolz war.
Mit diesem Gerät konnte man destilliertes Wasser herstellen – aber auch aromatische Wässer z. B. Rosenwasser oder Pfefferminzwasser. An der Vorderseite sind drei Gefäße zu erkennen, mit denen Abkochungen gemacht wurden (Teezubereitungen). Das Gerät erzeugte auch Dampf und damit konnte man Salbengrundlagen geschmeidiger machen. 10 kg Salben herzustellen war eine anstrengende Angelegenheit – mit dem Erwärmen der Salbengrundlage wurde dieser Prozess erheblich leichter.
Zu der damaligen Zeit wurden fast alle Arzneimittel noch selbst hergestellt. Wir haben glücklicherweise noch viele alte Geräte erhalten können, die ich Ihnen gerne zeigen möchte.
Der Apotheker ließ damals noch viele Kräuter sammeln z. B. Kamille, Pfefferminze, Melisse, Baldrian, Mutterkorn und viele Andere. Weil sich diese Pflanzenteile oft nicht gut lagern lassen (Schimmel, Fäulnis, Ungeziefer) aber auch Abbau der Wirkstoffe erfolgen kann, kamen die Apotheker schon sehr früh auf die Idee des alkoholischen Extraktes. Alkohol ist ein ideales Lösungsmittel und ein optimales Konservierungsmittel. Die Pflanze oder Pflanzenteile (Blätter, Wurzel, Rinde, Kraut) wurden mit Alkohol angesetzt und nach meistens 10 Tagen abgepresst.

Hellmuth Hauser hat dann 1960 mit der Herstellung von Tabletten begonnen.
Knut Hauser ist 1967 in die Apotheke eingetreten und hat schon während seines Studiums mehrere Tablettierkurse und später auch Dragierkurse besucht. Und so hatte er dann auch mit der Herstellung von Dragees begonnen. In den 60er Jahren haben wir ein Lizenzabkommen mit einer größeren Firma abgeschlossen und konnten in deren Lizenz Salben, Säfte, Tropfen aber auch Tabletten und Dragees herstellen. Die Lizenz hatte den großen Vorteil, dass wir ausgewogene Rezepturen und vor allem ansprechende Verpackungen bekamen. In der Blüte stellten wir 400.000 Tabletten und 30.000 Dragees pro Jahr her. Den größten Teil dieser Präparate haben wir an Kollegen verkauft.
Die Apotheke war im Wandel und so wurden die Einzelanfertigungen immer mehr von Fertigarzneimitteln verdrängt. Heute haben wir noch 5–10 Salben pro Tag, die individuell angefertigt werden.
Die große Zahl an Fertigarzneimitteln – wir haben in der BRD ca. 120.000 verschiedene Arzneimittel – brachte auch ein logistisches Problem mit sich. In meiner beruflichen Anfangszeit rief noch eine Dame des Großhändlers an, um die Bestellung aufzunehmen und sie gleich in die Schreibmaschine zu tippen. Dies war zugleich auch schon der Lieferschein. Diese Arbeit erforderte viel Konzentration und es gab auch so manchen Hörfehler.

Ab 1968 führten einige württembergische Apotheker ein Lochkärtchen ein, nachdem die ABDA für viele Arzneimittel eine Nummer – die Pharmazentralnummer – eingeführt hatte. Diese Nummer war eine sechs-stellige Zahl mit einer Prüfzahl, eine Zahlenkombination, die sich in sich selbst prüfen konnte. Damit konnte eine Bestellübertragung mittels Fernschreiberleitung erfolgen. Diese war fast fehlerfrei. Wir waren ziemlich früh dabei und im Kreis Heilbronn die erste Apotheke mit Lochkärtchen und Datenübertragung.
Es folgte dann auch bald die Einführung eines Computers. Das hatte die Vorteile, dass man alle in Deutschland zugelassenen Arzneimittel aufrufen konnte, deren Zusammensetzung, Darreichungsformen, Packungsgrößen, Rezeptpflicht und Preis sofort einsehen konnte.

In unserer neuen Schloss-Apotheke haben wir eine Computeranlage mit einem Kommissionierautomaten verbunden. Wir lagern unsere Arzneimittel in diesem und per Knopfdruck werden sie vom Automaten zum Abgebenden gebracht.
Ebenso ist ein Autoschalter in der Apotheke integriert, so dass z. B. eine Mutter mit Kind nicht mehr aus dem Auto aussteigen muss, sondern bequem im Auto bedient wird. Die Suche nach einem Parkplatz entfällt dann.